Die Sharpe-Ratio beschreibt die Überschussrendite im Verhältnis zur Schwankung. Sie geht auf William Sharpe zurück und wird zum Vergleich risikobereinigter Anlageergebnisse genutzt. Volatilität ist dabei nur eine Risikodimension.

Formel

Sharpe-Ratio = (Rp − Rf) / σ

Rp ist die Rendite, Rf die Referenzrendite einer als risikoarm angesetzten Anlage und σ die Standardabweichung der Überschussrenditen. Bei einer konstanten Referenzrendite entspricht diese der Standardabweichung der Portfoliorenditen. Alle Größen müssen dieselbe Zeitbasis verwenden. Bei σ = 0 ist die Kennzahl nicht definiert.

Interpretation

Die folgende Skala ist eine verbreitete Orientierung, kein universeller Qualitätsstandard:

WertGrobe Einordnung
Unter 0Weniger Rendite als die Referenz
0 bis 0,5Geringe Überschussrendite je Schwankung
0,5 bis 1Mittlere Einordnung
1 bis 2Höherer Überschuss relativ zur Schwankung
2 bis 3Hoher Wert, Annahmen genau prüfen
Über 3Außergewöhnlich hoher Wert, besonders prüfbedürftig

Ein Wert von 1 bedeutet eine Einheit Überschussrendite je Einheit Standardabweichung. Die Aussage hängt von Zeitraum, Häufigkeit und Datenqualität ab.

Zwei Portfolios

A erzielt 12 % Rendite, die Referenz 4 % und die auf dieselbe Jahresbasis gebrachte Volatilität beträgt 16 %:

A: (12 − 4) / 16 = 0,50

B erzielt 9 % bei 8 % Volatilität:

B: (9 − 4) / 8 = 0,625

B hat trotz niedrigerer absoluter Rendite den höheren Quotienten. Das bedeutet nicht, dass B bei jeder Risikobetrachtung oder für jeden Anleger überlegen ist.

Sinnvolle Vergleiche

Vergleichen Sie Fonds derselben Kategorie, ein Portfolio mit seinem Index oder unterschiedliche Aufteilungen über denselben Zeitraum. Renditemethode, Währung, Kostenbehandlung und Annualisierung müssen übereinstimmen. Eine Anleiheanlage kann trotz geringerer Rendite eine höhere Sharpe-Ratio als eine schwankungsstarke Aktienanlage haben.

Referenzrendite wählen

Wählen Sie eine zur Währung und Periode passende risikoarme Referenz, beispielsweise kurzfristige US-Treasury-Bills für USD, britische Treasury Bills für GBP oder geeignete kurzfristige EUR-Staats- beziehungsweise Geldmarktreferenzen. Ein Zentralbankzins ist nicht automatisch eine tatsächlich erzielbare Anlagerendite.

Grenzen

  • Positive und negative Schwankungen werden gleichermaßen erfasst. Die Berechnung setzt keine Normalverteilung voraus, doch eine alleinige Risikointerpretation ist bei asymmetrischen Verteilungen problematisch.
  • Ein Jahr kann ein anderes Bild liefern als fünf Jahre; vergleichen Sie gleiche Zeiträume.
  • Seltene schwere Verluste und illiquide, geglättete Bewertungen können durch die Kennzahl verdeckt werden.
  • Vergangene Werte garantieren keine künftigen Ergebnisse.

Methodische Referenz: William Sharpe, The Sharpe Ratio.